Gemeinsam eine Fantasywelt erschaffen: Warum Deine Welt Nachbarn braucht

Gemeinsam eine Fantasywelt erschaffen: Warum Deine Welt Nachbarn braucht

Deine Welt liegt in der Schublade

Du hast eine Karte gezeichnet. Wahrscheinlich mehr als eine.

Du weißt, wie die Hauptstadt heißt. Welcher Gott im Norden angebetet wird. Und warum sich die beiden Königshäuser seit drei Generationen nicht ausstehen können.

Und dann? Liegt das alles in einem Ordner auf der Festplatte. Oder in einem Notizbuch, das langsam Eselsohren bekommt. Vielleicht hast Du es mal Deiner Rollenspielgruppe gezeigt. Die hat höflich genickt und dann gefragt, wann endlich gewürfelt wird.

Kommt Dir das bekannt vor?

Das Problem mit Welten, die nur einer kennt

Worldbuilding allein hat einen Haken. Du bist Architekt, Bewohner und Geschichtsschreiber in einer Person. Alles, was in Deiner Welt passiert, hast Du Dir selbst ausgedacht.

Es gibt keine Überraschungen. Niemand widerspricht Dir.

Spannende Geschichten entstehen aber genau da, wo zwei Seiten etwas anderes wollen. Zwei Völker beanspruchen dasselbe fruchtbare Tal, und beide haben eine uralte Legende, die angeblich beweist, dass es ihnen gehört. Ein Priesterorden will Magie verbieten, während die Akademie im selben Reich heimlich weiterforscht. Ein Händlerbund will offene Grenzen, der Fürst will Zölle. Ein Zwergenkönig will die alten Stollen wieder öffnen, und sein Nachbar fürchtet, dass die Zwerge mal wieder zu tief graben. 😉

Das kannst Du Dir alles allein ausdenken. Klar. Aber es fühlt sich anders an, wenn auf der anderen Seite ein Mensch sitzt. Einer mit eigenen Plänen, eigenen Göttern und eigenem Dickkopf.

Gemeinsam eine Fantasywelt erschaffen: welche Wege gibt es?

Wenn Du Leute suchst, die mit Dir an einer Welt bauen, gibt es grob drei Richtungen.

Worldbuilding Communities. Foren, Discordserver, Subreddits. Gut für Feedback und Austausch. Die Gefahr: Ohne festen Rhythmus schlafen gemeinsame Projekte dort gern ein, weil keiner den Takt vorgibt.

Forenrollenspiel und Play by Post. Hier schreibst Du meistens eine einzelne Figur. Das macht Spaß, aber Du baust selten ein ganzes Volk mit eigener Kultur und Politik.

Brief und Planspiele. Das Genre, das kaum jemand kennt. Du regierst ein komplettes Volk, schreibst Briefe an andere Herrscher, und eine Spielleitung wertet die Züge aus und treibt die Welt voran. Früher lief das tatsächlich per Post. Wie lange so etwas laufen kann, zeigt das Kalevala Briefspiel, über dessen Ende ich hier geschrieben habe: 53 Jahre!!!

Die dritte Variante ist für Worldbuilder ehrlich gesagt die spannendste. Und genau da setzt Tharanor an.

Tharanor: Worldbuilding, bei dem andere mitschreiben

Tharanor ist ein Browsergame, das sich wie ein klassisches Briefspiel anfühlt.

Du führst Dein eigenes Volk. Elfen, Zwerge, Echsen, Menschen oder etwas, das es noch gar nicht gibt. Du entscheidest über Regierungsform, Kultur und Ziele. Und wir setzen Dich dann auf die Welt Darshiva, zwischen die Völker der anderen Spieler:innen.

Ab da schreibst Du nicht mehr allein. Du schickst Briefe an andere Reiche, schließt Bündnisse, verhandelst oder ziehst in den Krieg. Ob mit Schwert oder Feder, das entscheidest Du.

Das Herzstück für Worldbuilder ist das Buch der Zeit. Eine Art Zeitung der Welt, in der alle Spieler:innen veröffentlichen können. Ein paar Beispiele aus den bisherigen Ausgaben:

  • vier traditionelle Rezepte der Vnelayjah
  • Redewendungen und Sprichwörter der Astarim
  • ein abgefangener Geheimbrief, nach dem ein Ältestenrat unbequeme Geschichtenerzähler zum Schweigen bringen lassen will
  • eine Sammlung zwergischer Schimpfwörter
  • das Logbuch einer Flotte, die von einem riesigen Seeungeheuer vernichtet wurde
  • eine humorvolle Erzählung über den Gott der Ordnung, der plötzlich verschwunden ist
  • ein angeblicher Verwaltungsvermerk über das verschwundene Sitzpolster eines Herrschers

Das ist Worldbuilding – mit Folgen. Wer eine Kriegserklärung veröffentlicht, bekommt eine Antwort. Wer über Rezepte schreibt, hat vielleicht plötzlich Leser, die nachfragen. Und was ist das für ein Seeungeheuer, über das berichtet wird?

Ein Ende gibt es nicht. Tharanor ist als ewiges Spiel gedacht, ohne Sieger. Reiche entstehen, wachsen, verändern sich und gehen vielleicht auch wieder unter. Die Spielleitung bringt dazu einen Metaplot und besondere Ereignisse ein.

Das Buch der Zeit gibt es für alle kostenlos als PDF. Du kannst also erst mal reinlesen, bevor Du Dich anmeldest. Zur neunten Ausgabe habe ich hier einen Beitrag geschrieben.

Und wenn Du eigentlich Strategie spielen willst?

Vielleicht bist Du gar nicht wegen der Weltenbastelei hier. Sondern weil Du ein Strategiespiel suchst, das Dich nicht nachts um drei weckt, weil gerade jemand Dein Dorf angreift.

Dann kurz die nüchternen Fakten:

  • Rundenbasiert, kein Echtzeit. Eine Runde dauert zwei Wochen. Du hast von Mittwoch bis Mittwoch Zeit für Deinen Zug, danach wertet die Spielleitung aus.
  • Überschaubarer Zeitaufwand. Die ersten drei Züge brauchen mit Tutorial ein bis zwei Stunden. Danach oft 30 Minuten oder weniger. Wenn Dein Reich groß wird, können es dann auch mal wieder bis zu zwei Stunden werden.
  • Kostenlos und werbefrei. Wer mag, kann das Projekt über Steady unterstützen. Die Goodies dort haben keinen Einfluss aufs Spiel. Kein Pay to Win!
  • Echte Strategie. Karte erkunden, Regionen erobern, Siedlungen bauen, Truppen rekrutieren. Und Diplomatie mit echten Menschen statt mit einer KI.

Warum mir gerade der politische Teil wichtig ist, habe ich in Gesellschaft und Politik: Mehr als nur Ressourcenmanagement aufgeschrieben.

Hol Deine Welt aus der Schublade

Du musst Deine alten Notizen nicht wegwerfen. Vielleicht steckt Dein nächstes Volk schon darin.

Wenn Du Lust hast: Lies erst ins Buch der Zeit rein. Schau in die FAQ. Und wenn es Dich dann packt, füll die Anmeldung aus.

Auf Darshiva gibt es übrigens eine alte Redewendung: Thar Ntalin Anor. Daher kommt der Name Tharanor. Übersetzt heißt das: Der Weg ist das Ziel.

Passt ziemlich gut zu einem Spiel, das nie aufhört.

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