Ich leite seit über zwanzig Jahren Rollenspielrunden.
In dieser Zeit habe ich einiges gelernt, vor allem zu improvisieren und so zu tun, als wäre alles genau so geplant gewesen.
Darüber wollte ich sowieso schon länger mal schreiben und da ich heute zufällig über die Blogparade „Drei Dinge, die mir jede Rollenspielrunde versauen“ von wuerfellustbarkeit.de gestolpert bin, verpacke ich das gleich mal in einen etwas andere Context. 😀
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01 – Das Handy
Ja ok, ich hab auch mal das Handy in der Hand und checke kurz was. Also ist der erhobene Zeigefinger gar nicht so weit erhoben.
Aber es gibt Leute, die das auf ein ganz anderes Niveau heben.
Man erklärt die Szene, man baut Spannung auf, man stellt die entscheidende Frage an die Gruppe …
… und dann schaut man in ein Gesicht, das gerade einen Meme kommentiert oder ein Mobile-Game gespielt hat.
Man muss alles nochmal erklären. Alle warten. Die Stimmung ist weg. Schönen Dank.
Das ist einfach respektlos!
Gegenüber der Spielleitung, aber auch gegenüber den anderen Spieler:innen.
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02 – Jeder gute Plot scheitert am ersten Kontakt mit den Spieler:innen
Ich hatte einmal einen Händler eingebaut. Nur als einfachen NSC.
Ein bisschen Atmosphäre reinbringen, fertig.
Kein Name, keine Geschichte, keine Relevanz.
Die Gruppe hat ihm einen Namen gegeben. Dann eine Hintergrundgeschichte.
Dann sind sie ihm durch zwei Stadtviertel gefolgt, weil irgendjemand fand, er „wirke verdächtig“.
Er war nicht verdächtig. Er hat Gewürze verkauft.
Das Abenteuer, das ich Stunden lang vorbereitet hatte, lag derweil unberührt auf dem Tisch vor mir.
Am Ende des Abends hatte die Gruppe einen neuen Lieblingscharakter und ich eine Erkenntnis:
Ich plane seitdem deutlich weniger.
Improvisation ist ein wesentlich größerer Teil meines Leitens als jeder sorgfältig ausgearbeitete Plot.
Und ich muss sagen, es lohnt sich.
Ich bereite lieber NSCs und Situationen vor die ich jederzeit ziehen kann, egal was die Gruppe so vor hat.
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03 – Die Absage
Es ist Donnerstag Abend.
Man hat sich auf die Rollenspiel-Session gefreut.
Dann kommt die Nachricht, meistens mit einem vernünftigen Grund, manchmal auch mit einem, den man nicht so wirklich glauben kann, aber was soll man machen.
Man sagt natürlich: „Kein Problem, wir spielen trotzdem.“
Weil alle anderen schon da sind.
Aber dann fehlt den ganzen Abend irgendetwas.
Die Gruppe ist irgendwie anders als sonst. Die Dynamik ist eine andere.
Man erfindet einen Grund, warum der Charakter gerade nicht da ist und alle nicken so, als wäre das völlig normal.
„Er ist beim Schmied.“ Ja, klar. Seit vier Tagen.
Es macht trotzdem meistens Spaß. Aber es ist eben nicht dieselbe Runde und das weiß man schon in dem Moment der Absage.
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Nächste Woche sind wieder alle dabei. Hoffentlich.
Ich habe weniger vorbereitet und fühle mich trotzdem vorbereitet.
Die Handys werde ich nicht einsammeln und auf eine Absage bin ich innerlich schon ein bisschen vorbereitet.
Man gewöhnt sich nicht daran.
Und trotzdem bleibt es das Beste Hobby der Welt. 🙂
